Brian Eno – Here come the warm jets
Schon oft haben sich verschiedene Menschen an verschiedenen Orten gefragt, ob Brian Eno überhaupt ein Mensch ist. Und sofern er ein Mensch ist, was für eine Art ist er? Brot und Wasser sind für ihn weniger überlebenswichtig als neue Wege einzuschlagen. Er gilt als einer der experimentierfreudigsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Seine Diskografie umfasst aktuell 23 Alben, zudem hat er unter anderem zusammen gearbeitet mit Musikern wie Cluster, David Byrne und Robert Fripp. Außerdem ist er als Produzent für Künstler wie U2, Devo, David Bowie und Coldplay tätig.
Ach ja, neben den bereits erwähnten Produktionen und Zusammenarbeiten war Brian Eno Mitbegründer von Roxy Music, er hat in den 70er-Jahren diverse Verfahren zur elektronischen Klangerzeugung erkundet als auch geprägt, hat für Windows Startmelodien (ironischerweise auf einem Apple!) sowie für Nokia Klingeltöne komponiert und hat zu guter letzt das Genre der Ambient-Musik geprägt und gilt für diese als einer der wichtigsten Wegbereiter überhaupt.
Soviel also zu einem kleinen Einblick in den Mythos Brian Eno. Er hat zwar noch keinen Grammy gewonnen, steht aber dennoch über den Dingen und ist als absoluter Musikvisionär zu betrachten.Nachdem Eno erkannt hatte, dass er sein Glück nur als Solomusiker erreichen kann, trennte er sich 1973 von der Band Roxy Music und verwirklichte sich als Solomusiker. Seine Musik war nicht weniger schräg und auffallend als er selber. Verkleidet mit riesigen Federboas, bunten Kostümen und einer Überdosis Schminke im Gesicht, erkennt man schnell die Verbindung zum Glam Rock, der in der damaligen Zeit aufblühte. Doch Eno konnte es nicht dabei belassen. So waren seine vier ersten Alben, wenn man denn von einer Zuordnung sprechen will, zwar grob dem Rock-Genre zuzuordnen, dabei blieb es aber in keinem Fall. Eno probierte sich aus und setzte sein Wissen zur Erzeugung von elektronischen Elementen ein. Heraus kam eine wilde Mischung, die oft nicht genau zuzuordnen ist und bereits verschiedene Elemente von damals noch entfernter Zukunftsmusik integriert.
Here come the warm jets ist das erste Album aus dieser Periode und versetzt den Hörer ganz bewusst in andere Sphären. Spielerisch werden hier Glam-Rock, Indie, Ambient, Progressive-Rock und Electronica zu einem Gesamtkunstwerk gemischt und das Ergebnis ist ein merkwürdiges Hörerlebnis, das vielleicht nach dem fünften Mal ansatzweise entziffert werden kann, stetig wächst aber schon beim ersten Mal für Vergnügen sorgt.
Brian Eno _ Here come the warm jets _ Island Records _ 10 Tracks _ 1974